www.Crossover-agm.de POISON: Hollyweird
von gl

POISON: Hollyweird    (Cyanide Records/Mailboat Records (US Import))

Zunächst zur Business-technischen Seite: Poison haben ihre eigene Company Cyanide Records und werden "manufactured and distributed" (cooles Denglisch, I know) von Jimmy Buffets Mailboat Records, der die Platte an die Major Retailers gibt. Jimmy Buffet war in den 70ern und 80ern selbst ein bekannter Künstler in den USA und ist beim gleichen Management. Um einfache Mathematik zu gebrauchen, verdienen sie nun an 200.000 verkauften Einheiten dasselbe, wofür sie damals 2 Millionen bei einem Major Label hätten absetzen müssen!! Dies nur als Background, warum die Platte als Independent-Release gelistet ist und wohl vorerst nicht in Deutschland erscheinen wird.
Was wurde nicht alles im Vorfeld im Netz über diese Platte gemutmaßt, von wegen "Squeeze Box" würde nach NINE INCH NAILS klingen?!?!? Was Blödsinn ist, die Coverversion von THE WHO und zugleich erste Single wurde auf old-school POISON getrimmt, dennoch hielt ich die Version von ROXY BLUE für gelungener damals. Track 3,4, 5 und 10 sind die stärksten dieser Platte, die immerhin das erste Full-Album im Original-Line up seit 12 Jahren darstellt! Womit wir beim Sound wären, welcher undifferenziert und etwas billig klingt, also wirklich, die vier sind doch alle Millionäre, da hätte man sich mehr Mühe (Geld?!?) und auch Zeit geben können, auch wenn man zum rauen Garagen-Sound der Anfangstage zurückkehren wollte. Produziert und gemixt wurde das Album von Thom Panunzio, der auch die letzte MOTÖRHEAD gemacht hat, also ich versteh das nicht. Tatsächlich klingt "Hollyweird", als sei es zwischen "Look What The Cat Dragged In" und "Open Up And Say ... Ahhh!", also 1987 entstanden, und auch textlich werden sämtliche Sex, Drugs and RockíníRoll-Klischees erneut durchgekaut. So sind "Wishful Thinking" und "Shooting Star", die mir musikalisch gefallen, textlich beide inhaltsgleich mit "Fallen Angel" (Mädchen kommt nach Hollywood und möchte dort berühmt werden, aber schafft es nicht, wird ausgenutzt und lebt ihren Traum ...). CC DeVille hat sein Ego durchgesetzt und darf hier gleich drei Songs singen, wobei "Emperorís New Clothes" der beste ist, recht catchy - "Livin In The Now" hingegen klingt wie ein Outtake aus seinem (gnadenlos gefloppten) SAMANTA 7-Solo-Album ... Ein weiterer Ok-Song ist "Stupid, Stoned & Dumb" - die Strophen sind etwas holprig, der Refrain aber eingängig - in dem sich die Jungs wieder einmal selbst durch den Kakao ziehen: "Youíre a natural born loser, donít you understand, thatís why youíre born to sing in a RockíníRoll band ... with losers like us, this is where you belong." Der Loser möchte ich sehr gerne sein: Die Band tourt den 4. Sommer in Folge in den USA und zieht 10 Wochen lang jede Nacht 5.000 bis 12.000 Leute, aber näheres in AlexĎ Live-Review. Weiter gehtís mit 2 verschiedenen Versionen desselben Songs!! Ist mir auch noch nie untergekommen: "Home" in Brets und in C.C.s Story-Versionen zwar mit komplett anderem Text, aber direkt hintereinander! Hier hätte man schon allein mit der Liedreihenfolge glücklicher hantieren können und diese 2 Versionen auf die Platte verteilen können! Es ist ein simpler Shouter, auf dem über die Tour-Eskapaden (CC) oder das Leben in Hollywood (Bret) erzählt wird, recht humorvoll und gelungen sarkastisch. Zum Abschluss kommt dann noch mal Rikkis Onkel vom Anrufbeantworter, man erinnere sich an "Strange Days Of Uncle Jack" auf "Flesh And Blood". Diesmal lallt er "Who the hell you guys think you are, Rock Stars or sumthiní" - was den Track "Rock Star" einleitet, von der Band selbst produziert und etwas besserer Sound, er war schon auf der Zweitpressung von "Power To The People" 2001, aber es hatten sich einige beschwert, die die Platte gleich 2000 gekauft hatten, deswegen hier noch mal. Die 5 Studio-Tracks eben jener Platte waren doch recht vielversprechend und gefielen mir allesamt besser als das hier gebotene Songmaterial. Selbst ich als alter POISON-Freak mit der kompletten Collection und weitaus mehr hier daheim, kann mir belanglose ("Devil Woman") bis einfach schwache Songs ("Wasteland") nur bis zu einem gewissen Grad "schönhören"!



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