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HJALLARHORN: Iron Clad Soldiers
von rls

HJALLARHORN: Iron Clad Soldiers   (Pure Steel Records)

"Pounding Aggression - Fuck The Perfection!" verkündet die Bookletrückseite. Ob Hjallarhorn deshalb auf jegliche Angaben zur Entstehungsgeschichte des Albums und sonstige Hintergründe verzichtet haben? Das Booklet enthält zwar alle Texte, ein Foto der Band im Probekeller und den besagten Spruch, aber sonst keinerlei Informationen, und auch das Inlay beschränkt sich auf vier Einzelmitgliederfotos, die Tracklist und die knappe Info "Produced by Hjallarhorn with Marius Strand". Offensichtlich wollen die Norweger also vielmehr musikalische Taten als die Theorie sprechen lassen - das freilich gelingt ihnen auf "Iron Clad Soldiers", ihrem Debütalbum, durchaus gut. Undergroundfanatiker könnten dabei große Teile des Materials schon kennen - acht der neun Tracks waren bereits auf den drei seit 2004 veröffentlichten Demos enthalten, nur "The Machinist" ist ein reiner Konservenneuling. Wer im Gegensatz zum Rezensenten die drei Demos besitzt, kann dann auch Vergleiche anstellen, ob es sich in dem einen oder anderen Fall um die alten Aufnahmen oder um komplette Neueinspielungen handelt - das Klanggewand der knapp 50 Minuten ist allerdings einheitlich. Dafür überraschen Hjallarhorn allerdings mit zwei recht unterschiedlichen songwriterischen Herangehensweisen. Sechs der Songs sind eher kompakt inszeniert, dauern jeweils so um die vier Minuten und atmen nicht selten einen gewissen punkigen Spirit, der dem urtraditionellen Metal des Quartetts eine eigentümliche, aber durchaus passende Note verleiht. Freilich gönnt sich die Arrangementfraktion auch hier manchmal den einen oder anderen überraschenden Part, etwa die plötzlichen Tempowechsel in "Blood And Black Lace", die nicht nur jeden Punker aus dem Rhythmus bringen würden, sondern an die sich auch der Metaller erstmal gewöhnen muß, obwohl sie natürlich zweifellos als songwriterische Bereicherung zu werten sind. Noch obskurer ist das plötzliche Akustikbreak in "The Changeling" kurz vor Minute 3. Diese sechs kürzeren Songs erinnern hier und da ein wenig an Raven, allerdings mit konsequenter Ausrichtung auf zwei Gitarren und völlig anderem Gesang - Dani Nilsen hat ein unkontrolliert wirkendes, wiederum schnoddrigen Punkspirit versprühendes Organ, das sich gut ins Gesamtbild einfügt, aber wohl nie zu gesangstechnischen Höchstleistungen in der Lage sein wird. Die braucht man für die Musik Hjallarhorns allerdings auch nicht, und im besagten Akustikbreak zieht sich der Sänger mit einer ganz eigenartigen halbdunklen Klarstimme auch gut aus der Affäre. Dieser Song stellt sozusagen das Bindeglied zu den drei anderen Kompositionen her: "Brigade" ist dabei ein noch rauhe Elemente bevorzugendes, aber recht vielschichtig zusammengesetztes sechsminütiges Epos, das an Position 3 nach den beiden geradlinigen Openern das erste andere Ausrufezeichen setzt. Die anderen beiden Ausrufezeichen stehen am Ende des Albums: "The Machinist" bringt es auf über sieben, "Eye Of The Storm" gar auf über neun Minuten. Letzteres überrascht wieder mit einem Akustikintro samt dunklem Leadgesang, wird allerdings übergangslos von einem Midtempo-Powerpart niedergemäht, der dann auch den Hauptteil des Songs bestimmt, in dem Leadgitarrist Martin Krogh sein Talent beim Erschaffen von nicht übermäßig komplizierten, aber wirkungsvollen melodiedurchtränkten Leadgitarrenpassagen unter Beweis stellen kann. Interessanterweise hat hier ein Mann nachnamens Oliver mitgeschrieben, der sonst nirgendwo in den Songwritercredits auftaucht. Sollte es sich da gar um Ex-Saxon-Gitarrist Graham Oliver handeln? Wie auch immer: Nach Minute siebeneinhalb folgt gar ein Klavierbreak mit durchaus origineller Weiterführung - ein Stilmittel, mit dem man angehörs der zuvor abgelaufenen reichlich 40 Minuten nun ganz und gar nicht gerechnet hätte. Und auch der Closer "The Machinist" enthält noch ein paar seltsame Wendungen, etwa die Hintergrundgeräusche im zweiten Teil des Hauptsolos, wenngleich man sich an die Maßnahme, Tempowechsel nicht vorzubereiten, sondern quasi aus dem Nichts kommen zu lassen, mittlerweile schon gewöhnt hat. Das unterstreicht den punkig-rohen Anspruch des Quartetts, der allerdings wie beschrieben durchaus gekonnt mit ungewöhnlicheren Passagen kombiniert wird. Den basischen, aber phasenweise nach oben gesetzten Anspruch verkörpert auch die konsequente Schwarz-Weiß-Gestaltung des Booklets und des Inlays, die mit einem farbigen Labelaufdruck kombiniert wird. So entsteht ein Metalalbum von eigentümlichem Reiz, das etwas zwischen den Stühlen gelandet ist, was Chance wie Bürde darstellen könnte. Die seit dem Release verstrichene Zeit hat die Bürde-Theorie wahrscheinlicher erscheinen lassen, aber für eine Entdeckungsreise ist es nie zu spät ...
Kontakt: www.hjallarhorn.com, www.puresteel-records.com

Tracklist:
Battle Of Repulsion
Iron Clad Soldier
Brigade
Blood And Black Lace
The Changeling
The Horn
Scathed And Torn
Eye Of The Storm
The Machinist


 



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